Gemeindekonzeption 2018

Im Gegensatz zu der Situation in den 60-er bis 90-er Jahren, in denen wegen der geburtenstarken Jahrgänge die Gemeindegliederzahlen stiegen und daher der Bedarf für weitere Gottesdienststätten und Gemeindezentren da war, stellt sich die Situation heute für die meisten Kirchengemeinden völlig anders dar.

Die Kosten für die Pflege und Erhalt der Immobilien und deren Außenanlagen nehmen heute einen großen Teil der Haushaltsmittel in Anspruch. Die Kirchengemeinden stehen somit sehr oft vor einem Dilemma: Sollen die Haushaltsmittel verwandt werden, um die Gebäude, die zunehmend weniger genutzt werden, zu erhalten, oder soll man  die Gebäude langsam aber sicher verfallen lassen, damit die Gemeindearbeit weiter ausreichend gut gefördert und finanziert werden kann ?

Keine der genannten Alternativen erscheint ratsam und sinnvoll.

 

Deshalb hat die Synode des Kirchenkreises Siegen den Gestaltungs- und Strukturprozeß 2025 mit dem Maßgabe gestartet, die Gemeinden im Kirchenkreis Siegen mögen  sich so aufstellen, dass sie den Herausforderungen der Zukunft gut gerüstet entgegensehen können.

 

Das Presbyterium unserer Kirchengemeinde hat die Möglichkeit einer zu erstellenden Strukturanalyse genutzt, um eine  fundierte Analyse der vorhandenen Gebäude zu bekommen und somit eine gute Entscheidungsgrundlage zu erhalten. Diese Gebäudestrukturanalyse bildet die jetzigen Standorte, den Gebäudebestand, die Entwicklung der Gemeindegliederzahlen, Größe, Beschaffenheit, Bewirtschaftungskosten und Nutzung der Gebäude ab. Hieraus können sachlich zu begründende Überlegungen zur  zukünftigen baulichen Entwicklung abgeleitet werden.

 

Für unsere gesamte Gemeinde wurde ermittelt, dass bezogen auf die Gemeindegliederzahl heute schon ein Überhang an Nutzfläche von 530 m² bzw. 36 % der vorhandenen Flächen besteht. Die regelmäßigen Kosten machen heute bereits rd. 73 % der Kirchensteuerzuweisungen aus.

Eine von der Landeskirche geforderte Substanzerhaltungsrücklage in Höhe von 20% der Wiederherstellungskosten vorhandener Gebäude läge für unsere Kirchengemeinde für das Jahr 2014 bei rd. 2,14 Mio. € !

 

Bliebe die Gebäudesituation unverändert, hätte dies zur Folge, dass ein wesentlicher Teil der Kirchensteuereinnahmen allein zur Gebäudeunterhaltung genutzt werden müsste.

Mittel für eine angemessene Gemeindearbeit aus Kirchensteuermitteln ständen nur noch in geringem Umfang  zur Verfügung.

 

Ziel der Überlegungen im Presbyterium ist es, einen künftig unterhaltbaren, der Gemeindearbeit förderlichen Baubestand zu sichern, der sich dynamisch an veränderte Gemeindesituationen in der Zukunft anpassen kann.

 

Die Ev. – Ref. Kirchengemeinde Krombach hat z. Zt. rd. 5200 Gemeindeglieder.

Im Jahr 2025 wird die Gemeindemitgliederzahl  rund 4500 betragen.

Da pro Pfarrstelle von einer Gemeindegliederzahl von 2500-3500 auszugehen ist, würde die KG Krombach im Jahr 2025 mit nur noch 1 ½ Pfarrstellen ausgestattet werden.

 

Fasst man nun die Informationen über die Gemeindegliederentwicklung und die Pfarrstellensituation zusammen, zeichnet sich deutlich ab, dass die Nutzungshäufigkeit  der vorhandenen Gebäude in der Zukunft sinken wird. Sollte es ab dem Jahr 2025 nur noch 1 1/2 Pfarrstellen geben, müssten „1 ½ Pfarrerin/Pfarrer“ vier  Gottesdienststätten versorgen.

 

Neben diesen sich abzeichnenden negativen Entwicklungen hat es in den vergangenen Jahren auch positive Entwicklungen gegeben.

 

Im Jahr 2013 hat die Kirchengemeinde eine unselbstständige Stiftung „Fachwerk“ gegründet.

Dies ermöglichte es der Kirchengemeinde verschiedene strategische Umschichtungen im Gebäudebestand durchzuführen. Als weitere Folge der durchgeführten Umschichtungen ergaben sich für die Folgehaushalte der Kirchengemeinde positive Effekte.

 

Konkret ist folgendes zu nennen:

  • Der Gebäudebestand der Kirchengemeinde wird um 30 % reduziert
  • Die laufenden Gebäudekosten wurden so nachhaltig reduziert
  • Die zukünftig zu bildende Substanzerhaltungsrücklage wurde um ca. 20 % reduziert
  • Die Kirchengemeinde ist mittlerweile durch eine  wohlüberlegte Umschichtung von Immobilienvermögen schuldenfrei
  • Die Mehreinnahmen von Kirchensteuern der Jahre 2014 – 2017 wurden zum weiteren Aufbau der Substanzerhaltungsrücklage genutzt.

 

Die ergriffenen Maßnahmen erlauben es uns in Zukunft auf eine sinkende Gemeindegliederzahl und

auf Veränderungen in der Region 7 (Kirchengemeinden Kreuztal/Ferndorf/ Buschhütten/ Krombach/ Müsen/Hilchenbach) zu reagieren.

 

Bei den Beratungen des Presbyteriums hinsichtlich des zukünftigen Gebäudebestandes wurde jedoch mehr und mehr deutlich, dass es zuerst um die Frage gehen sollte, wie wir uns als Kirchengemeinde Krombach selbst wahrnehmen. Schließlich findet das Gemeindeleben zu einem großen Teil an vier verschiedenen Orten statt. Aus diesem Grunde hat sich das Presbyterium zuletzt intensiver mit der Frage auseinandergesetzt, wie die Gemeinde in Zukunft enger zusammenwachsen kann, ohne zunächst  die Individualität der einzelnen Orte aufzugeben.

Ziel soll es sein, in den kommenden Jahren bis 2025 den Boden für ein bezirksübergreifendes Denken und Handeln zu bereiten.

Erste konkrete Folge dieses Prozesses war die Schaffung der Stelle einer Jugendreferentin (25 %) deren Hauptaufgabe in der bezirksübergreifenden Koordination der Jugendarbeit liegt. Hierzu gehören im wesentlichen Mitarbeiterschulung und Begleitung bei der Arbeit mit den einzelnen Gruppen in der Kinder-und Jugendarbeit.

Ein weiterer wichtiger Aspekt entsteht bei der Eröffnung von neuen Gruppen und Kreisen. Auch hier sollte geprüft werden, ob es sich lohnt, dieses Angebot für die komplette Gemeinde anzubieten.

Weitere Ideen und Aspekte müssen in Zukunft erörtert, geprüft und mit der Gemeinde gemeinsam entwickelt werden. Hierzu ist das Presbyterium in einem stetigen Beratungsprozess,  der die Hilfe und Unterstützung der Gemeindemitglieder erfordert. Wir freuen uns sehr über Anregungen und Ideen.

 

Die personelle Perspektive für unsere beiden Pfarrstellen lässt erkennen, dass es in der Mitte des kommenden Jahrzehnts nur noch maximal 1 1/2 Pfarrstellen geben wird. Um für diesen Zeitpunkt vorbereitet zu sein, ist es wichtig, den Entwicklungsprozess besonnen fortzuführen in dem Bewusstsein: Wir sind eine Gemeinde.

 

Für das Presbyterium, Finanzkirchmeister Volker Bartsch