Zur Besinnung
Als Gott Himmel und Erde machte, da lag ihm besonders die Erde am Herzen. Ihr galt
seine ganze Liebe. Warum? Er wollte nach seinem Bilde schaffen. Er setzte ihnen
zuliebe einen glühenden Ball an den Himmel - die Sonne. Damit sollte die Erde hell
werden und Licht haben. Und die Menschen sollten dadurch merken, wie lieb Gott sie
hat.
Dann schuf er die Menschen. Er freute sich an ihnen. Und die Menschen freuten sich
an der Sonne. An ihr erkannten sie das Gute, die Wärme. Und sie richteten ihre
Arbeit nach ihr aus und sie merkten: Von dort kommt unser Leben, ohne sie können
wir nicht leben.
Aber im Laufe der Zeit vergaßen die Menschen das. Sie fanden Kohle und Öl zum
Wärmen und sie kamen sich dabei ganz groß vor. Immer mehr Dinge fanden sie auf
der Erde, die sie gebrauchen konnten. Und schließlich meinten sie, das Leben komme
aus sich selbst oder gar von ihnen selber. Da wurde Gott traurig. Denn er hatte doch
die Sonne aus Liebe zu den Menschen geschaffen. Sie sollten doch in ihr eine Gabe
Gottes erkennen. Gott überlegte, was er nun tun könnte. Dann befahl er der Sonne,
Lichttropfen auf die Erde fallen zu lassen. Diese Sonnentropfen sollten die Menschen
daran erinnern, dass das Gute von Gott kommt: Das Licht, die Wärme und das
Leben.
Eines Morgens fanden die Menschen überall solche Tropfen: In den Gärten, auf den
Wiesen, ja ganze Felder waren übersät mit Sonnentropfen. „Sind das nicht lauter
kleine Sonnen, die vom Himmel gefallen sind?" riefen die
Menschen. „Lauter Sonnen. Lauter Sonnen-Blumen!" Und
ihnen fiel wieder ein, dass Gott ihnen die Sonne geschenkt
hatte, die große Sonne am Himmel. Und nicht nur sie. Ihnen
wurde wieder klar, dass alles von Gott kommt, dass er alles
geschaffen hat, auch Leben und Licht, Liebe und Wärme.
Seitdem erinnern diese Sonnenblumen uns Menschen daran,
dass wir ohne Gott gar nicht leben könnten. Aber sie zeigen uns
auch, wie schnell man Gott vergessen kann (erzählt nach
Kurt Rommel).
Schön, diese Geschichte von den Sonnenblumen, die uns
Menschen daran erinnern, dass Gott alles wunderbar geschaffen hat und dass wir
unser Leben an jedem Tag der Liebe Gottes verdanken, dass alles gute Gabe Gottes
ist.
So heißt es auch in dem Refrain des Liedes „Wir pflügen und wir streuen": „Alle gute
Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm,
dankt und hofft auf ihn!"
Erntedank! Wir danken Gott für die Gaben des Lebens und erkennen dabei, dass
wir ohne Gott gar nicht leben könnten!
Aber wie heißt es in dieser Geschichte von den Sonnenblumen: „Sie zeigen uns auch,
wie schnell man Gott vergessen kann!" Und zeigt uns der Zustand der Erde nicht
genau dies? Tagtäglich können wir sehen, hören, lesen, was Gottes Schöpfung

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bedroht: Die Folgen der Abholzung der Naturwälder, das Ozonloch, das langsame,
aber sichere Ansteigen der Temperaturen und der damit verbundene Klimawandel,
die Verschmutzung des Wassers und der Luft, die Ausbeutung der Natur, die
Verseuchung der Lebensmittel, die schreckenerregenden Möglichkeiten der Gen-
Forschung und -Technik, die Probleme mit der Entsorgung des Mülls.
In großen Teilen dieser Erde herrscht Hunger, aber gleichzeitig alle Jahre wieder
werden Brot, Obst und Gemüse tonnenweise auf Müllplätze gekippt, werden Mais
und Getreide verbrannt, um die Preise stabil zu halten. Und an all diesen
Erscheinungen sind wir, ob direkt oder indirekt, ob bewusst oder unbewusst, ob
gewollt oder ungewollt, beteiligt. Wir befinden uns dabei in einem Prozess, der für
die ganze Schöpfung tödlich enden wird, wenn es so weiter geht wie bisher.
Das Erntedankfest ist deshalb ein ganz wichtiges Fest. Es will uns helfen, die „Lebens-
Mittel", die wir täglich zur Verfügung haben, dankbar als Zeichen der Güte und Gnade
Gottes in Empfang zu nehmen und zu bedenken, was wir zu der Bewahrung der
Schöpfung Gottes durch unseren Umgang mit ihr beitragen können. Das
Erntedankfest will uns helfen, zu begreifen, dass wir unser Leben an je-
dem Tag der Güte Gottes verdanken und zu bedenken, wie das, was die Erde für alle
Lebewesen hervorbringt, auch allen zugutekommen kann und wir nicht durch unser
der Güte Gottes zuwiderlaufendes Verhalten der guten Schöpfung Gottes den Garaus
machen.
Erntedank. Gott danken, dass er unser Leben bis heute erhalten hat. Dankbar Gutes
aus seiner Hand nehmen befähigt mich, zu unterscheiden zwischen Luxus und
Lebensmittel und lässt mich die Liebe des Gebers in seiner Gabe spüren. Gott danken
ist der Schlüssel, der mir den Segen seiner Gaben aufschließt. Und der Segen blüht
erst im Teilen auf, im Teilen der Güter dieser Erde mit meinen Mitmenschen,
Mitschwestern und Mitbrüdern auf dieser Erde. So segne uns Gott zum Erntedankfest
mit neuer Einsicht, mit Sonnentropfen, mit Licht und mit Leben!
Ihr Pfarrer Hippenstiel

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   





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