Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt.“

 

Seit einigen Wochen steht eine Karte mit diesen Worten auf meinem Schreibtisch.

Oft schaue ich auf sie. Diese Worte tun mir gut, machen mir Mut und sagen mir: Gott ist und bleibt dir zugewandt.

Sie stammen von dem Jesuitenpater Alfred Delp. Kurz vor seiner Ermordung durch die Nazis schrieb er sie mit gefesselten Händen auf einen Zettel in seiner Gefängniszelle.

„Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt.“

In diesen wenigen Worten kommt ganz dicht zum Ausdruck, was den Glauben der Bibel, den Glauben der Christen von Anfang an kennzeichnete und durchgehalten hat:

Das unbedingte Vertrauen zu Gott, die Gewissheit seiner Nähe und die Erfahrung seiner tragenden, vergebenden und grenzenlosen Liebe.

Durch Menschen wie Delp und viele andere, die diesen Glauben gelebt haben, wird uns vermittelt, was über tausenden von Jahren die Beziehung der Menschen zu Gott geprägt hat.

Der Psalm 139 bringt vor weit über 2500 Jahren in unvergleichlicher Weise diese Gewissheit der Nähe Gottes zum Ausdruck:

„Herr, du hast mich erforscht, und kennst mich genau.

Ob ich sitze oder stehe: Du weißt es. Meine Absicht erkennst du von fern. Ob ich gehe oder ruhe: Du merkst es. Alle meine Wege sind dir bekannt. Noch liegt mir kein Wort auf der Zunge, schon weißt du, Herr, was ich sagen will. Von hinten und von vorn hast du mich umfasst und hast deine Hand auf mich gelegt.“

Ganz persönlich erzählt hier einer in seinem Lied, wie Gott da ist in seinem Leben, wie er ihn umgibt von allen Seiten, ihn hält und beschützt mit seiner Hand. Kaum einen Text in der Bibel kenne ich, der so stark und empfindsam das Gefühl des Geborgenseins in Gott zum Ausdruck bringt.

 

Wie bei Kindern ist das, die sich abends beim Schlafengehen bei Eltern vergewissern: Ihr seid da, ihr geht doch nicht weg, ihr seid doch nebenan.

Jörg Zink nimmt an dieser Stelle seiner Übertragung des 139. Psalms ein weiteres Bild auf, um anschaulich zu machen, was der Verfasser dieses Psalms wohl empfunden hat in seinem Verhältnis zu Gott:

„Herr, mein Gott, wie gut, dass du mich siehst! Ich kann ja keinen Schritt tun, bei dem du mich nicht begleitest. Wie in zwei großen Händen hältst du mich. Ich bin darin geborgen wie ein Vogel im Nest. Geborgen in Gottes Händen, wie ein Vogel im Nest, unter dem Schatten seiner Flügel.“

Von allen Seiten von ihm umgeben!

Mitten in all dem, was mich in letzter Zeit so oft umgibt und mich umtreibt: Ruhelosigkeit, Angst, Sorge und Unsicherheit.

Die Unsicherheit wie es weiter geht in dieser Pandemie, mit dem Klimawandel, mit der immer mehr zunehmenden Verrohung in unserer Gesellschaft, mit unserer Kirche und unserer Gemeinde.

Gerade mit diesen ganzen anderen Erfahrungen, die mich täglich umgeben, die Einladung, sich im Glauben Gott anzuvertrauen. Dazu jedenfalls lädt der 139. Psalm von neuem ein:

- Mitten im Alltag daran festhalten: Von allen Seiten umgibst du mich!

- Vom ersten Tag meines Lebens an bis zum letzten und darüber hinaus allezeit: Du bist da!

-  Mitten in allen Bildern der Unsicherheit und der Angst:

Du hältst deine Hand über mir!

So beschreibt es auch Dag Hammarskjöld in einem der Texte, die man nach seinem Tode in seinem Tagebuch fand:

Du, der über uns ist,

du, der einer von uns ist,

du, der ist - auch in uns;

dass alle dich sehen – auch in mir,

dass ich den Weg bereite für dich,

dass ich danke für alles, was mir widerfuhr,

dass ich dabei nicht vergesse der anderen Not.

Behalte mich in deiner Liebe,

so wie du willst, dass andere bleiben in der meinen.

 

Möchte sich alles in diesem meinem Wesen zu deiner Ehre wenden,

und möchte ich nie verzweifeln.

 

Denn ich bin unter deiner Hand,

und alle Kraft und Güte sind in dir.

 

Hammarskjöld war in seinem Amt als Generalsekretär der UNO nur zu gut vertraut mit den Spannungen und Problemen unserer Welt. Was ihn dennoch hielt und nicht verzweifeln ließ, was ihn trotz alledem „dem Leben trauen“ ließ, bringt dieser Text eindrücklich zum Ausdruck.

So werden auch wir hineingenommen, täglich, in dieses Vertrauen, in die Gewissheit, dass Gott uns umgibt wie ein Raum, ein Haus, in dem sich’s leben lässt und in dem wir wiederfinden, was wir täglich nur zu schnell verlieren: Zuversicht, Ruhe, Gelassenheit, Geduld, Hoffnung, Liebe und in allem – uns selbst!

„Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt.“

Ihr

Pastor

Frank Hippenstiel

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   





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